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Hedgefonds - Das Gift heisst Gier
Hedgefonds waren die Superstars der Finanzwelt. Jetzt verlieren sie Hunderte Milliarden und ihre Macht. Noch Mitte 2008 gab es weltweit ca. 10 000 Hedgefonds. Sie wachten über 2 000 Milliarden Dollar, mit Krediten über geschätzte 10 000 Milliarden. Das ist eine eine enorme Finanzkraft. 10 000 Milliarden = 10 Billionen = 10 Millionen Millionen = eine 1 mit 13 Nullen = 10 hoch 13 = 10 000 000 000 000.
Hedgefonds waren ein anerkannter und gefürchteter Teil des internationalen Finanzsystems ("Heuschrecken"). Sie handelten auch all die komplexen Finanzprodukte, die zur Finanzkrise führten, und kauften den Banken grosse Kreditpakete ab und zerstörten durch Vollstreckung jede Menge Existenzen. Das ermöglichte den Banken eine beispiellose Expansion des Kreditvolumens. Dann, mit dem Herbst 2008 kam der Einbruch.
Viele Fonds machen seither riesige Verluste, Anleger ziehen ungezählte Milliarden ab, Banken kappen ihre Kredite. In der Branche hat ein Massensterben begonnen, dessen volles Ausmass erst im Laufe von 2009 sichtbar werden wird. Die Hälfte aller Fonds könnte ihm zum Opfer fallen, das Anlagevermögen auf 500 Milliarden Dollar schrumpfen.
Zudem werden die Banken absehbar kaum noch grössere Kredite vergeben. Die Branche schrumpft somit auf einen Bruchteil ihrer ehemaligen Grösse. Damit nicht genug, von Washington bis Brüssel arbeiten Politiker an schärferen Kontrollen. Das Ende der Hedgefonds in ihrer bisherigen Form naht.
High noon on Capitol Hill
Donnerstag 13.November 2008 gegen 12 Uhr mittags: Fünf Topmanager, stehend, die rechte Hand zum Eid erhoben, bereit zum Kreuzverhör - dieser Auftritt auf dem Capitol Hill zeigt mehr als alles andere, wie radikal sich die Zeiten für Hedgefonds geändert haben. Jeden dieser Männer zählte die Finanzwelt in Hochzeiten zu den "Masters of the universe", eine arrogant dümmliche Übertreibung angesichts des unermesslichen Schadens, den sie mit ihrer asozialen Raffgier anrichteten.
Jeder der fünf Männer leitete einen Hedgefond mit einem zweistelligen Milliardennennwert, jeder hat 2007 persönlich mehr als eine Milliarde Dollar verdient. Von links: George Soros, spekulierte 1992 mit spektakulärem Erfolg gegen das britische Pfund. Mitte: John Paulson, setzte zum richtigen Zeitpunkt auf einen Einbruch des US Immobilienmarktes. Ganz rechts: Kenneth Griffin, Gründer von Citadel, einem Fonds mit ca. 10% Anteil am Handel mit amerikanischen Stammaktien. (passendes Bild fehlt)
Die Legenden geben sich demütig. "Ja, ich denke, dass Hedgefonds ein systemisches Risiko sind", sagt Soros, der während der ganzen Anhörung mit einem Stift spielt. "Ja."-"Yep." "Ich stimme zu." Fast unisono stimmen die Manager zu, dass Hedgefonds der Finanzaufsicht künftig detaillierter als bisher Bericht erstatten sollten. "Ich würde dem zustimmen" sagt Paulson auf die Frage, ob der Staat bei Gefahr mehr Eingriffsrechte haben müsste.
Wie Hedgefonds entstanden
Wer eine Aktie kauft, dachte sich angeblich 1949 Alfred Winslow Jones, hält sie für unterbewertet, erwartet also einen Kursanstieg. Ergibt die Analyse aber, dass sie überbewertet ist, kann er die Aktie "leer verkaufen". Dazu leiht er sich Aktien, verkauft sie, um sie nach dem erwarteten Kursverfall billiger zurück zu kaufen und zurück zu geben.
Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufpreis abzüglich der Leihgebühr ist der Gewinn, der Nebeneffekt angeblich die Absicherung gegen Kursbewegungen in beide Richtungen, das sogenannte "Hedgen", eine Steigerung des eh schon psychologisch-spekulativen Charakters von Aktienbörsen ins unkontrollierbare.
Wenn mit Spekulation auf fallende Aktienwerte Geld gemacht werden kann, liegt es nahe, unter Kontrolle gebrachte Firmen zu zerstören. Und das geht so: Aktienmehrheit erschleichen, Immobilien, Patente und sonstige Guthaben der Firma verscherbeln. Die Verlegung der Produktion in Billiggebiete ist dann der Schlag ins Gesicht der Menschen, die das Firmenvermögen erzeugt haben.
Viele, die sich mit der Problematik befassen, fragen: Wer "verleiht" denn Aktien, um sie nach einem Wertverfall dankend zurück zu nehmen? Das riecht doch sehr nach Kursmanipulation im grossen Stil mit Einsatz erheblicher (virtueller) Geldmassen.
Wie Hedgefonds gross wurden
1990, als Kenneth Griffin Citadel gründete, gab es weltweit nur 600 Hedgefonds mit einem Anlagebetrag von ungefähr 40 Milliarden Dollar. Ende der Neunziger begannen Fondsmanager zu locken, in guten Jahren hohe Renditen einzufahren und in nicht so guten Jahren immerhin noch Gewinne. Die Fonds kassierten jährlich 2 Prozent der Anlagegelder als Gebühr plus 20 Prozent aller Gewinne.
Hedgefonds arbeiteten mit verschiedenen Methoden: Manche setzten auf globale Trends, andere auf Anleihen und Arbitragegeschäfte, einige, wie der TCI Fund, der 2005 angeblich die Führung der Deutschen Börse stürzte, auf aggressives Auftreten als Minderaktionär.
Je nach Methode arbeiteten Hedgefonds mal ohne Kredite und mal mit enormen Schulden. Kauften sie für 100 Millionen Dollar Aktien und verkauften für 110 Millionen, machten sie 10% Gewinn auf das eingesetzte Kapital. Wenn sie aber von 100 Millionen Kaufpreis nur 10 Millionen aus eigener Tasche bezahlten und den Rest per Kredit, kamen sie auf 100% Gewinn. Natürlich kostet ein Kredit Zinsen, doch waren diese lange Zeit sehr niedrig. In extremen, garnicht so seltenen Fällen, zahlten die rechtlich kaum an Auflagen gebundenen Fonds einen Aktiendeal nur zu 3% aus der eigenen Kasse.
Alle grossen Banken spielten das Spiel mit
Mehr noch: Sie lebten mit den Hedgefonds in einer Art Symbiose, kassierten Zinsen und verkauften ihnen jede Menge "riskante Papiere". So entfernten sie Gefahren aus den eigenen Bilanzen und hielten das zur Absicherung vorgeschriebene Eigenkapital gering. Um das Spiel im grossen Stil zu organisieren, liess man sich etwas einfallen.
Im Zentrum Manhattans entstanden sogenannte "Hedgefondhotels", ganze Gebäude voller Büros mit PC Netzwerk und Anschluss an das Buch- und Handelssystem der Bank. Diese war dann der "prime broker", verwaltete Geld und Wertpapiere treuhänderisch. Broker verliessen ihre Bank, gründeten Hedgefonds und wurden zahlende Kunden ihres ehemaligen Arbeitgebers.
So lief es mit goldenen Nasen für viele Akteure bis Herbst 2008. Mit der Finanzkrise kam die Stunde der Wahrheit, das Gauklersystem aus Gier und Täuschung stand plötzlich weltweit am Pranger. Das Versprechen der Hedgefonds, auch in schlechten Zeiten Profit zu machen, wurde gebrochen. "Das ist die Todsünde", so ein Banker. Was in der Folge von Zahlungsunfähigkeiten noch alles kommt, weiss kein Mensch.
Lee Ainslie 3 von "Maverick" ist einer der ganz wenigen Fondsmanager mit einer gewissen Einsicht: "Als Investor finde ich Manager, die mangelnde Ergebnisse äusseren "Faktoren" zuschreiben, nicht ihren eigenen armseligen Entscheidungen, recht frustrierend. Genau das habe ich getan und ich entschuldige mich dafür." Das wird nicht genügen, schaun wer mal...
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