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Legale MP3 Downloads - die Geschichte von MP3

In Deutschland erfunden, wurde MP3 zum weltweiten Standard für digitale Musikdateien im Internet, auf der Festplatte und in mobilen Abspielgeräten. Millionen von Musikliebhabern weltweit freuen sich.

MP3 made in Germany

Am 14. Juli 1995 einigten sich die Wissenschaftler am Erlanger Fraunhofer Institut auf den Namen MP3. So sollten alle Audiodateien heißen, die das neue "MPEG Audio Layer 3" Verfahren auf digitales Westentaschenformat zusammengestaucht hatte. Ein simples Email, ausgeschickt an alle Mitarbeiter, gilt als historische Geburtsurkunde. Die dahinter stehende Technologie wurde bereits früher entwickelt, konnte sich aber erst zu einer Zeit durchsetzen, als das Internet weltweit auf dem Vormarsch war.

Rundfunk über ISDN per MP3?

Mitte der 1980er Jahre war Deutschland Internet-Entwicklungsland. Die Telekom stellte ihren Kunden gerade die ersten ISDN-Anschlüsse in Aussicht. Internet für jedermann war Utopie, von digitalen Breit- bandnetzen ganz zu schweigen. Am Fraunhofer-Institut in Erlangen war man seiner Zeit voraus. Dort forschte Prof. Dieter Seitzer an der Entwicklung einer digitalen Rundfunktechnologie. Wenn man per ISDN Sprache übertragen kann, sagte sich Seitzer, dann müsse es doch möglich sein, auch Musik durchs digitale Netz zu schicken. Die Fachwelt schüttelte den Kopf. Digitale Musikdateien auf CDs seien viel zu groß, um komfortabel via ISDN-Leitungen übertragen zu werden. Vom quäkigen Sound ganz zu schweigen.

MP3 Tauschbörsen etablieren sich

Die kleinen handlichen Musikdateien lassen sich bequem vervielfältigen und übers Internet verbreiten. Musikfans besorgten sich die Objekte ihrer Sammelleidenschaft deshalb immer öfter kostenlos als MP3-Datei. Die Musikbranche jammerte weltweit über Umsatzeinbrüche. Hektisch wurde nach Mitteln und Wegen gesucht, den illegalen Tausch urheberrechtlich geschützter MP3- Dateien zu unterbinden - mit geringem Erfolg.

MP3 Tauschbörse Napster verboten

die über zentrale Server organisierte Mutter aller Tauschbörsen, musste auf gerichtliche Anordnung hin geschlossen werden. Dezentrale Tauschbörsen wie Grokster, Morpheus oder Kazaa waren schnell zur Stelle und traten nahtlos in Napsters digitale Fußstapfen.

Musikindustrie schlägt MP3 Alarm

Das neue Kompressionsverfahren wurde von der Industrie zunächst nicht ernst genommen. Ein Nutzen für den Verbraucher war nicht zu erkennen, mobile Abspielgeräte wurden nicht entwickelt. Auch die Musikindustrie verschlief das neue Format. Erst nachdem sich im Internet die ersten Musiktauschbörsen wie Napster und später Grokster, Kazaa oder Morpheus etabliert hatten und der kostenlose Tausch von MP3-Dateien Alltag geworden war, wachten die Musikkonzerne aus ihrem MP3-Schlaf auf. Während die Erlanger Forscher für ihr Kompressionsverfahren weltweit geehrt wurden und im Jahr 2000 aus der Hand des Bundespräsidenten den begehrten "Deutschen Zukunftspreis" entgegennahmen, schlug die Musikindustrie Alarm.

AAC und WMA statt MP3

Drittens sind die großen Musikkonzerne derzeit dabei, sich das viel gescholtene Internet als Vertriebsweg zu erschließen. In Online-Musikläden wie dem iTunes Music Store des Computerherstellers Apple können Musikfans ihre Wunschmusik legal erwerben - in Apples eigenem AAC-Format und nicht als MP3. Auch Microsoft setzt nicht auf MP3. Die Softwarefirma hat mit WMA ein eigenes Komprimierungsverfahren entwickelt - und das aus gutem Grund.

Kein Kopierschutz bei MP3

Wer Musik übers Internet verkaufen will, muss dafür sorgen, dass seine Songs nicht unendlich oft kopierbar sind. Deshalb werden alle Kaufdateien von Apples AAC bis Microsofts WMA mit einem digitalen Rechtemanagement vor unkontrollierter Vervielfältigung geschützt. Dieses Rechtemanagement ist in den Musikdateien eingebaut. Es regelt im Detail, wie oft ein gekauftes Stück kopiert oder auf CD gebrannt werden darf. Aus der Sicht der Musikindustrie besitzt das MP3-Format nämlich einen entscheidenden Geburtsfehler: MP3-Dateien lassen sich kaum schützen. Aber genau das macht MP3-Songs bei Musikfans nach wie vor beliebt.

Prof. Brandenburg, Erfinder von MP3

gilt als einer der Väter des MP3-Formats. Zusammen mit Forscherkollegen entwickelte er jene mathematischen Algorithmen, die noch heute bei der Umwandlung von Musikstücken in handliche MP3-Dateien zur Anwendung kommen. Grundlage dieser Technologie ist die Bahn brechende Erkenntnis, aus einem Musikstück all jene Töne herauszufiltern, die das durchschnittliche menschliche Ohr ohnehin nicht wahrnimmt.

Das Problem lag auf der Hand: Wie lassen sich digitale Musikdateien ohne hörbaren Qualitätsverlust auf einen Bruchteil ihrer eigentlichen Größe stauchen? Seitzer setzte den jungen Doktoranden Karlheinz Brandenburg auf dieses Thema an.

MP3 Durchbruch mit "Tom's Diner"

Der endgültige Durchbruch gelang den Forschern mit einem Song der US-Folksängerin Suzanne Vega. "Ich war gerade bei der Feinabstimmung meiner Algorithmen", erinnert sich Brandenburg, "Irgendwo spielte ein Radio den Song 'Tom's Diner'. Ich war wie elektrisiert und ahnte, dass es fast unmöglich wäre, diese warme A-Capella-Stimme zu komprimieren."

Mit MP3 kein Unterschied zu hören

Der Vegas-Song wurde zum Maßstab für die Qualität der MP3-Software. Erst als kein Unterschied mehr zwischen CD und MP3- Datei zu hören war, gaben sich die Erlanger zufrieden. Sie hatten es geschafft: Der simple Folk-Song, auf der CD rund 40 Megabyte groß, war auf ein Zwölftel seiner Ursprungsgrösse geschrumpft. Der Song brachte nur noch rund 3,5 Megabyte auf die Waage - und klang trotzdem gut.

MP3 - kein Nutzen für Verbraucher

Die wissenschaftliche Konkurrenz schläft nicht. Während in Erlangen weiter fleißig Grundlagenforschung betrieben wurde, präsentierten andere Forscher bereits ihre kompletten Verfahren. Auch mussten sich die Forscher am Fraunhofer-Institut die Frage gefallen lassen, welchen Nutzen ihr Programm für den Verbraucher hätte. 2004 wurden allein in Deutschland über drei Millionen MP3-Player abgesetzt. Mobile Endgeräte zum Abspielen der MP3-Musik- dateien fehlten damals jedoch völlig, heute können viele Handys bereits den Mobile Download. Außerdem sei das Projekt zu teuer, hieß es. Das Team um Karlheinz Brandenburg ließ sich nicht beirren. Statt um die Vermarktung kümmerten sie sich lieber um die Optimierung ihrer komplizierten Software.

Musikindustrie geht ohne MP3 online

Mittlerweile verfolgt die internationale Musikindustrie eine Mehrfachstrategie, um sich vor der Verbreitung illegal kopierter MP3-Dateien zu schützen. Zum einen pickt sie sich einzelne Musiktauschbörsennutzer heraus und verklagt sie vor Gericht. Zum anderen versieht sie ihre Musik-CDs mit Kopierschutzmechanismen, die es unmöglich machen sollen, Musikstücke in MP3-Dateien umzuwandeln.

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